Ich glaube, dass ich wirklich ein Vertrauensproblem habe. Ich weiß auch garnicht, ob ich überhaupt noch mal eine Beziehung will? Auch wenn es jetzt ehr neativ klingt, aber bisher hats nie geklappt. Also wozu sich anstrengen? Geht ja früher oder später eh in die Hose. Allerdings würde ich gern mal den Grund dafür wissen. Ich wünsche jedem, der eine Beziehung hat, alles Glück der Welt.
Aber ich gehe für mich persönlich davon aus, dass Gott nicht will, dass ich jemanden finde. Scheinbar bin ich ein schlechter Mensch, wer weiß?
Zu aller erst: Gott hat damit nichts zu tun. Habe ich früher auch mal so gedacht, aber mal ehrlich: Gott ist es schlicht egal. Bei 8 Milliarden Menschen solle er sich auch noch um solche Dinge kümmern? Das glaube ich nicht, daher bin ich für mich zur Erkenntnis gelangt, dass es an mir selbst liegt. Und da komme ich zu dem zweiten Punkt, den du angesprochen hast und das ist der viel einleuchtender Grund, warum es nicht klappt jemanden zu finden: Vertrauen.
Vertrauen ist ebenfalls mein großes Problem gewesen. (und eigentlich immer noch) Liebe heißt vertrauen, ohne Vertrauen auch keine Liebe (und dann eben auch keine Beziehung) möglich. Klingt simpel. Warum? Nun um eine andere Person wirklich lieben zu können, muss ich ihr vertrauen und mich ihr auch anvertrauen, also mich öffnen. Und da ist das Problem. Wenn man (wie ich) Angst davor hat, verletzt zu werden, verschließt man sich, als eine Schutzreaktion. Das ist soweit ok, weil man sich davor bewahrt, verletzt zu werden. Aber das verhindert aber leider auch, dass eine andere Person Zugang zu dir findet. Ohne dies, also nur ein einseitiges Vertrauen, wird leider nie funktionieren, weil sich der Gegenüber ausgegrenzt fühlt und es sich für ihn auch Scheiße anfühlt, wenn man ihm kein Vertrauen schenkt.
Das ist also das große Hindernis. Bin ich also bereit meinen Schutz aufzugeben und so der anderen Person mein Vertrauen zu schenken? Das ist verdammt schwer, wenn man Vertrauensprobleme hat. Wenn man immer nur ins Klo gegriffen hat und nur schlechte Erfahrungen mit Vertrauen bzw. dem Missbrauch des Vertrauens gemacht hat, wie soll man solche Erfahrungen ausblenden? Das geht gelinde gesagt nicht. (zumindest bei mir)
Damit ist mir klar geworden, woran es liegt, das es nicht mit einer Beziehung klappt. Hat also nichts mit Gott zu tun, sondern vielmehr mit der Angst vor dem Vertrauen / Vertrauensbruch. Beziehungen sind für "normale" Menschen schon nicht einfach und sie scheitern oft daran, aber dieses Scheitern ist für sie auch ein Lernprozess, der dazu führt, dass es bei der Nächsten besser geht.
Das ist jedoch keine Option für Menschen mit extremen Problemen mit dem Vertrauen. Denn ein Scheitern ist für sie nur die Bestätigung der Ängste, die sie ja schon zuvor hatten. So gesehen verstärkt dieses Scheitern die Probleme, wo die anderen daraus ihre Lehren ziehen und weiter machen.
Natürlich kommt man dann schnell zu dem Schluss, dass man wohl nie den oder die Richtige findet. Wenn man in dem Schutzmodus bleibt, ja. So traurig das klingt, aber das ist so. Die einzige Alternative ist also, man muss sich aus der Schutzzone und der Komfortzone herausbegeben. Und das ist echt beschissen schwer. Ob man das alleine schafft? Hmmm, gute Frage, das ist bei jedem anders. Da kommt einem vielleicht die Idee, ob jemand einem vielleicht helfen kann? Hmm, auch eine gute Frage. Wenn dann müsste das jemand sein, der wirklich versteht, woran es liegt und wie es einem dabei geht. Also jemand der die Gefühle und Ängste nachvollziehen kann. Ein Außenstehender (also ein "Normaler") wird das nie verstehen und ist da keine Hilfe. Denn die kennen nur die Tipps, die für sie und die anderen "Normalen" funktionieren, aber eben nicht für solche Fälle. Darum, wenn Hilfe von Dritten, dann muss dies wohl überlegt sein, weil alles andere keine echte Hilfe ist und was negative Erfahrungen bewirken, kennen wir ja inzwischen.
Ich bin dann nach vielen Jahren (Jahrzehnt) zu der Erkenntnis gelangt, dass warten auf den oder die perfekte Person nichts bringt und sogar schädlich ist. Warum? Je länger man wartet, umso mehr zieht man sich zurück, umso mehr verfestigen sich die Gewohnheiten und die Schutzmechanismen. Je dicker und fester dieser Schutzwall ist, umso schwerer ist es ihn zu überwinden. Ich habe bei mir festgestellt, dass ich einen Punkt erreicht habe, wo ich für mich festgestellt habe, dass diese Schutzmauer unüberwindbar geworden ist. Denn selbst wenn ein Wunder geschehen würde, und es eine Person geben würde, die so jemanden wie mich tatsächlich mögen könnte und sich wirklich für mich interessieren könnte, so würde es daran scheitern, weil ich zu viel Angst davor hätte. Nicht nur verletzt zu werden, sondern es ist die Angst die zu groß ist, zu versagen und so selbst der Grund für das Scheitern zu sein.
Es gibt also einen Punkt, den "Point of no Return", wo es schlicht nicht mehr möglich ist, da noch etwas ausrichten zu können. Ich habe zu lange gewartet und zu sehr auf ein Wunder von Außen gehofft (das es ja nicht gibt) und so verpasst, rechtzeitig noch die Kurve zu kriegen. Leider ist dieser Punkt nicht so offensichtlich, den man also rechtzeitig erkennen kann und so getrost sagen kann, "ok, ich habe da noch Zeit um zu reagieren". Den erkennt mal leider erst, wenn man ihn schon langer überschritten hat. Das Schlimme daran ist auch, dass dies bei jedem anders ist. Bei dem einem kommt er vielleicht früher, bei dem anderen später. Denn es ist nicht nur das Problem mit Vertrauen, die Angst davor verletzt zu werden, es sind inzwischen auch Bindungsängste und eine soziale Phobie, die zu einer Bindungsstörung geführt haben. Das geschah nicht über Monate oder ein paar Jahren, das ist das Ergebnis nach über Jahrzehnte der Untätigkeit und den falschen Hoffnungen bei mir.
Bei mir war es auf jeden Fall zu spät und nach dieser Erkenntnis muss man sich damit zurechtfinden. Darüber zu sinnieren, was falsch gelaufen ist, ob Gott es so gewollt hat, oder wer sonst noch dafür schuld sein könnte, bringt nichts. Ich habe erkannt, was falsch gelaufen ist und warum ich in der Lage bin. Da ich meine Vertrauensprobleme und Ängste nicht überwinden konnte, muss ich jetzt damit klar kommen. Das ist jetzt keine Lösung für andere, sich ihrem Schicksal hinzugeben, nein vielmehr möchte ich damit zeigen, wie das im schlimmsten Fall laufen könnte, aber nicht wie es automatisch laufen muss.
Die Konsequenz aus meinen Erkenntnissen: Ist man in der Lage aus seinem Schutzwall auszubrechen und hat man die Kraft und den Mut sich seinen Ängsten zu stellen? Das muss nicht unbedingt alleine sein, wenn es jemanden gibt, der einem dabei helfen kann, nutzt diese Möglichkeit, dass ist auf jeden Fall eine Chance die man nutzen sollte. Aber man muss sich aus seine Komfortzone herausbewegen und das ist der erste, aber der schwierigste Schritt, den muss man alleine gehen, da kann einem niemanden dabei helfen. Eine professionelle Hilfe, also eine Therapie wäre in schweren Fällen sicherlich ein guter Ansatz und würde wohl eine echte Hilfe sein. Aber auch hier muss man sich erst einmal eingestehen, dass man Hilfe braucht und dann bereit sein sich dieser Hilfe anzunehmen.
Das soll jetzt nicht heißen, man müsste es überstürzen und auf biegen und brechen etwas unternehmen. Nein, auf keinen Fall. Aber es soll auch nicht heißen, abwarten und Tee trinken, es wird sich schon was ergeben. Von alleine sicher nicht. Man muss selbst tätig werden, das Wunder von Außen, die richtige Zeit gibt es nicht und es bringt auch nichts darauf zu warten. Denn was das Warten darauf bringt, habe ich am eigenen Leib erfahren.
So nun halte ich meine Finger und Gedanken im Zaum. Genug von mir dazu.