Ist Trauer egoistisch?

  • wenn man nicht trauert ist man egoistisch und wenn man trauert hat die Person einem was bedeutet


    Entschuldige, ich greife dein Argument noch einmal auf, nicht weil ich es als meine heilige Mission sehe dich oder sonstwen von meiner Meinung zu überzeugen (Zumal auch die keineswegs Anspruch auf fundamentale Richtigkeit hat) sondern weil deine Aussage für mich eine Implikation enthäl, die mir so gar nicht gefällt.


    Diese besagt, dass jemand, der nicht trauert (oder nach Aussen hin auch nur diesen Anschein erweckt) keinen Verlust empfindet und ja wohl zwangsläufig ein Egomane sein muss. Und ich sage Egomane, bezugnehmend auf Examples Definition weiter oben, da auch ich natürlichen Egoismus nicht per se und generell als "schlecht" empfinde.


    Das ist nicht nur falsch und überheblich, sondern auch äusserst ungerecht. Menschen trauern sehr unterschiedlich; Und jemand der bei einer Trauerfeier vielleicht in der letzten Reihe steht - oder gar nicht hingeht ist nicht zwangsläufig gefühlskälter, gleichgültiger und respektloser als jemand anders. Er trauert nur anders.

  • Ganz ehrlich, eigentlich ist trauer durchaus egoistisch. Man besitzt Menschen zwar nicht aber einen Menschen indirekt im Leben zu haben ist fast sowas wie ein "Besitz" im groben Sinne. Theoretisch könnte man sagen das Trauer eine Reaktion darauf ist diesen Besitz zu verlieren was heißen würde dass der Ursprung dessen egoistisch wäre. Ich denke Verlust ist generell egoistisch weil Verlust einen Besitz voraussetzt.


    Ich denke ich würde nur trauern wenn mein Kater sterben würde. Er ist einfach so süß und ich möchte nicht aufhören diese Süßheit wahrzunehmen. D:

  • bin nicht der Meinung das nur weil ein Mensch freiwillig deine Anwesenheit mag das er dich besitzt. Freundschaft bedeutet doch das obwohl er dich nicht besitzt er trotzdem Zeit mit dir verbringt und das man dann trauert ist auch nicht egoistisch. Ganz im Gegenteil zeigt es das er dir wichtig war.

  • Ich habe bisher nie Trauer mit Egoismus verknüpft, allerdings muss ich sagen, dass wenn ich mehr darüber nachdenke, ich verstehen kann, woher dieser Gedanke kommt.

    Ich versuche mich kurzzufassen und erkläre was ich davon denke.


    Wenn man eine Person verliert, die einem sehr nahe steht hat man eine Verbundenheit zu dieser Person entwickelt, diese Person ist fast schon ein Teil des eigenen Lebens. Man könnte sagen die Zeit, die man mit dieser Person zusammen verbracht hat, zu einer Art Routine gehört. Man trifft sich, man lacht, man weint, man wird verletzt, man versöhnt sich usw. . All diese Situationen rufen Gefühle hervor. Aus Gefühle werden (einfach gesagt) später Erinnerungen.


    Aber ich möchte ein Punkt zurückkehren, und zwar bei der Routine, weil ich denke, das ist der Punkt wo der egoistische Part seine Form bekommt.


    Nachdem man diese Person verliert, ist es so als, ob einem etwas genommen wird was vorher immer da war, etwas fast schon selbstverständliches. Nehmen wir an, ein Elternteil ist verstorben, was passiert in diesen Moment? Alles, was davor da war, ist jetzt weg. Die gemeinsamen Abende, das gemeinsame Frühstück am Sonntag, die ganzen Momente, die man als Erinnerungen gespeichert hat, wurden einem weggenommen, man könnte sagen ein Teil der Routine wurde einem weggenommen, man fühlt sich als ob etwas fehlt oder man sich zwangsweise an eine neue Situation anpassen müsste, in der diese Person nicht mehr da ist.

    So ähnlich als, wenn man in eine neue Stadt kommt, wo alles fremd ist. Im Endeffekt fühlt man sich so als, ob einem unfairer Weise etwas Wichtiges genommen wurde ( das meine ich nicht im Sinne eines Gegenstands ). Demnach denke ich, dass es etwas mit Egoismus zu tun hat.


    Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass nicht alles nur schwarzweiß ist. Deshalb denke ich nicht das Trauer nur egoistisch ist.

    Wie ich vorhin erwähnt habe gibt es noch die Erinnerungen, so schön oder hässlich dieser Erinnerungen sind, sie sind einfach gesagt in unserer Seele eingespeichert. Der Gedanke, dass diese Erinnerungen ein Ende gefunden haben schmerzt. Es ist in etwa so als würde der schönste und beste Film den man je gesehen hat zum Ende kommen und man wüsste, es wird niemals eine Fortsetzung kommen.

  • Also ich wüsste nicht mal wie man Trauer über eine andere Person mit Egoismus bezeichnen könnte…

    Der einzige Fall wo ich mir damit einen Zusammenhang bilden könnte wäre es, wenn man jemanden betrauern muss um Geld (oder irgendwas anderes) zu erhalten obwohl man die Person nicht betrauern würde unter normalen Umständen.

    Wenn man nichts erhält wäre es einfach nur scheinheilig.