Die Ereignisse in Berlin haben mich erschüttert und traurig gemacht. Beim CSD in Berlin kam es zu einem mutmaßlichen Fahrzeugangriff auf Teilnehmende und Besucher. Dabei wurde ein Mensch getötet, mehrere wurden verletzt. Mein aufrichtiges Mitgefühl gilt den Verletzten, den Angehörigen und allen, die diesen Tag voller Freude begonnen haben und stattdessen Angst, Leid und Trauer erleben mussten.
Der Christopher Street Day steht für die Freiheit, ohne Angst man selbst sein zu dürfen. Für Akzeptanz, Respekt und Gleichberechtigung, unabhängig davon, wen man liebt. Er erinnert uns daran, dass viele Rechte, die heute selbstverständlich wirken, nicht immer selbstverständlich waren, sondern erst erkämpft werden mussten. Für viele Menschen ist der CSD weit mehr als eine bunte Parade. Er erinnert an die Stonewall-Aufstände von 1969 in der Christopher Street in New York. Damals wehrten sich Menschen, die über Jahre hinweg schikaniert wurden. Aus ihrem Mut entstand eine weltweite Bewegung, die uns an die jahrelange Diskriminierung queerer Menschen und an die leider bis heute noch bestehende Situation queerer Menschen weltweit erinnern soll.
Einige fragen sich, ob der CSD überhaupt noch notwendig ist. Ein Blick auf die Realität zeigt aber, dass queere Menschen auch heute noch Beleidigungen, Diskriminierung und Gewalt erleben. Manche verstecken aus Angst ihre Identität, vermeiden es, in der Öffentlichkeit die Hand ihres Partners zu halten oder haben Sorge vor Ablehnung in Familie, Schule oder Beruf.
Manche kritisieren die zunehmende Kommerzialisierung des CSD, andere wiederum befürchten, dass sein ursprünglicher Sinn in den Hintergrund gerät. Zu freizügige Outfits werden auch kritisch gesehen, besonders im Hinblick auf die Anwesenheit von Kindern. Über solche Aspekte sollte man respektvoll diskutieren dürfen. Aber worauf wir uns einigen sollten, ist, dass kein Mensch Angst davor haben sollte, wen er liebt oder so zu leben, wie er ist, solange er dabei niemandem schadet. Niemand, wirklich niemand, sollte wegen seiner Identität oder Sexualität beleidigt, bedroht oder angegriffen werden.