Kontroverse Meinungen

  • NoName Ich habe sämtliche deiner Fragen in mindestens einem meiner vorherigen Beiträge längst beantwortet. Auch auf Gefahr hin, mich zu wiederholen, versuche ich es noch einmal so kleinschrittig, wie meine Geduld es zulässt:

    Wenn ich in diesem Zusammenhang von bullshit spreche, also Quatsch oder Unsinn in seiner Reinform, dann spreche ich von Content, der spezifisch mit der Intention geschaffen wurde, dämlich zu sein. Er hatte nie und wird nie den Anspruch haben, in irgendeiner Form ernst genommen zu werden. Dieses Kriterium erfüllt ein Wahlspruch der AFD zum Beispiel nicht. Das erfüllt auch kein frauenverachtender Post oder eine Verschwörungstheorie, so dämlich sie auch sein mag. Aber dieses Kriterium erfüllen diese saudummen Lieder. Sie wollen nicht diskriminieren, sie wollen keinen Hass schüren, sie wollen maximal anstößig sein und unterhalten. Wie bei jedem anderen Medium gibt es dafür Publikum und eben auch nicht. Scheinbar paart sich diese Form des Schwachsinns super mit Bierzeltgarnituren und Weißwurst, aber das ist ja überhaupt nicht Thema.

    Hier mal ein Bilderbuchbeispiel, dass mir jenseits von South Park einfällt. Rassistisch, beleidigend, sexistisch, dumm und keine Spur Ernsthaftigkeit. Würd im Traum keiner drauf kommen, dieses Kunstwerk für was es ist in Frage zu stellen.

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    Aber warum sind diese Lieder, dessen Texte offensichtlich sexistisch sind, keine Frage, jetzt aus meiner Sicht im weiteren Sinne unproblematisch? Jetzt sind wir beim Kontext. Wie, wo, warum und für wen wird dieses Lied denn gespielt?

    Zum wie: die Melodie steht schonmal im krassen Kontrast zum Text. Die ernüchternden Texte werden mit einer Energie geschmettert, die einfach überhaupt nicht zum Gegenstand passt. Sind wir wieder beim Thema Ernsthaftigkeit.

    Zum wo/wen: Die Lieder werden von feiernden, in der Regel mindestens angetrunkenen Leuten gefeiert, die dem Text so viel Ernsthaftigkeit zusteuern, wie die Regierung dem Klimawandel. Das Lied mag lauthals mitgegröhlt werden, sicherlich auch von einigen Feminist*innen, einfach weil es in der Situation absolut belanglos ist und seinen Zweck erfüllt: dummen, besoffenen Spaß.

    Da sind wir auch schon beim warum. Keiner feiert ein derartiges Lied für seinen Inhalt, das wissen die Interpreten auch mit Sicherheit, aber für seinen Einsatz in dieser spezifischen Situation. Nicht weil es gut ist, sondern richtig dumm und, in dieser Situation, so dumm, dass es wieder lustig ist. Mag nicht jeder so sehen, aber anscheinend genug, dass es ein nicht unerhebliches Ding ist.

    Edit: Natürlich spielt die Gesinnung des Interpreten eine maßgebliche Rolle. Würden sie sich mit ihren Texten identifizieren, würden diese eine Botschaft tragen, faktisch also ein Ziel verfolgen, daraus resultierend kein bullshit mehr nach meiner Definition sein. Unabhängig davon ist die Debatte zwischen Kunst und Künstler ja aktueller denn je.

    Diese beiden Faktoren zusammen bringen mich zu dem Schluss, dass es mindestens genau so großer Schwachsinn wie die Lieder selbst ist, diese lediglich aufgrund ihrer, und ich wiederhole mich, definitiv sexistischen Texten, und ohne weitere sinnvolle Argumente nicht zu spielen/zu verbieten (ja, ich weiß, hier wurde nichts verboten).

    Als Ergänzung: Rammstein pack ich in diesem Kontext auch nicht an, das ist eine ganz andere Geschichte ^.^

  • Sie wollen nicht diskriminieren, sie wollen keinen Hass schüren, sie wollen maximal anstößig sein und unterhalten.

    So kenne ich es zumindest, und so habe ich es auch immer empfunden.

    Ich habe diese saudummen Lieder ehrlich gesagt nie wirklich hinterfragt, weil sie für mich einfach keinen tieferen Sinn ergeben :-D Für mich stand immer nur fest: Die Interpreten wissen ganz genau, dass sie mit dummen Texten Geld machen, und sie wissen auch, wie man betrunkene Menschen in Stimmung bringt. Nicht mehr und nicht weniger. Die Art von Musik und die Texte werden mir immer am Arsch vorbeigehen, noch fühle ich mich davon "bedroht?":unsure:

    Ich frage mich eher, ob die sich selbst dabei überhaupt ernst nehmen. Oder ob betrunkene Menschen sowas überhaupt hinterfragen, bzw. überhaupt noch dazu in der Lage sind :-D

  • Mal ab von dem Voyeurismus und der Vaterflucht lese ich da nichts von einer Vergewaltigung.

    Dazu nur kurz: es gibt unterschiedliche Versionen von dem text. In der anderen Variante geht es "ich machte mich über die schlafende her" statt "sie wachte auf und sagte 'komm her'".. und da gibt es dann noch ein paar mehr Strophen. Aber das nur am Rande, um die Version geht es ja nicht.

    Die Lieder werden von feiernden, in der Regel mindestens angetrunkenen Leuten gefeiert, die dem Text so viel Ernsthaftigkeit zusteuern, wie die Regierung dem Klimawandel.

    Keiner feiert ein derartiges Lied für seinen Inhalt,

    Da wäre ich mir nicht immer so sicher. Im betrunkenen Kopf kann sich die Wahrnehmung auf gruselige Weise verzerren. Ja, die Lieder sind dann nicht schuld, wenn jemand übergriffig wird. Leisten aber einen Beitrag für das entsprechende Mindset.

    Naja, meistens wird das schon so sein, wie du schreibst.

    Eigentlich sollte niemand was vermissen, wenn Lieder mit solchen Texten auf Volksfesten für "groß und klein" nicht gespielt werden (und stattdessen anderes gröhlbares, ist ja nicht so, dass dadurch Lücken in der Beschallung entstehen). Aber der Artikel hat das ja großartig gemacht und gleich rausgehauen, dass Lieder "verboten" werden sollen. Fällt für mich unter rage bait.

    Thou shalt not follow the NULL pointer, for chaos and madness await thee at its end.

    (aus: "The Ten Commandments for C Programmers" von Henry Spencer)

  • Musik als Kunstform soll ruhig provozieren, wie jede andere Kunstform auch.

    Wenn das Kunst ist, worüber wir hier reden, dann gute Nacht, liebe Welt. Ich weiß, dass rechtlich die Kunstfreiheit greift, aber der juristische Begriff von Kunst ist sicherlich nicht der eine Kunstbegriff, der außerhalb der Rechtswelt anerkannt ist. Kurz: Das ist keine Kunst, worüber wir hier reden. Wir behandeln es nur juristisch wie Kunst.

  • Musik als Kunstform soll ruhig provozieren, wie jede andere Kunstform auch.

    Wenn das Kunst ist, worüber wir hier reden, dann gute Nacht, liebe Welt.

    Was generell in der Welt als Kunst angesehen wird is Lächerlichkeit hoch 10, daher macht das keinen großen Unterschied mehr.


    Eine Schande für echte Kunst ist es natürlich

    ~ 𝕴𝖈𝖍 𝖇𝖎𝖓 𝖉𝖊𝖗 H𝖆𝖒𝖒𝖊𝖗 ~ 𝑺𝒊𝒆 𝒅𝒂𝒔 𝑺𝒌𝒂𝒍𝒑𝒆𝒍𝒍 ~

  • Wenn ich in diesem Zusammenhang von bullshit spreche, also Quatsch oder Unsinn in seiner Reinform, dann spreche ich von Content, der spezifisch mit der Intention geschaffen wurde, dämlich zu sein. Er hatte nie und wird nie den Anspruch haben, in irgendeiner Form ernst genommen zu werden. Dieses Kriterium erfüllt ein Wahlspruch der AFD zum Beispiel nicht. Das erfüllt auch kein frauenverachtender Post oder eine Verschwörungstheorie, so dämlich sie auch sein mag. Aber dieses Kriterium erfüllen diese saudummen Lieder. Sie wollen nicht diskriminieren, sie wollen keinen Hass schüren, sie wollen maximal anstößig sein und unterhalten. Wie bei jedem anderen Medium gibt es dafür Publikum und eben auch nicht. Scheinbar paart sich diese Form des Schwachsinns super mit Bierzeltgarnituren und Weißwurst, aber das ist ja überhaupt nicht Thema.

    Hier mal ein Bilderbuchbeispiel, dass mir jenseits von South Park einfällt. Rassistisch, beleidigend, sexistisch, dumm und keine Spur Ernsthaftigkeit. Würd im Traum keiner drauf kommen, dieses Kunstwerk für was es ist in Frage zu stellen.

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    NoNamehat ja bereits ausführlich erklärt, warum man die Intention eines Autors nicht als Grundlage zur Bewertung von so einem Lied nehmen kann. Ich hoffe mal da stimmst du zu? Weil sonst drehen wir uns hier nur weiter im Kreis. (EDIT: Ah, nein, tust du offenbar nicht: Hab weiter unten etwas dazu geschrieben!)
    Was nun übrig bleibt, ist deine Interpretation, die Werke wären nur als "Bullshit" konzipiert und daher nicht ernst zu nehmen - besonders im Party Kontext, wo man sie ja eh einfach nur mitgrölt weil man betrunken ist. Liege ich da richtig?

    Dann frage ich mich: Ist es nicht gerade deswegen, weil hier Menschen komplett unreflektiert Parolen mitgrölen, problematisch? So ein Schlager wird in so einem Bierzelt-Kontext ja nicht kritisch als Werk aufgeführt. Man geht ja nicht hin und sagt "So, jetzt machen wir erstmal eine Lied-Analyse eines sexistischen Schlagers!". Stattdessen wird so ein Lied als Party-Hit, der zum mitgrölen einlädt, gespielt.
    Wird man so ein Lied in so einem Kontext nun ernst nehmen? Wahrscheinlich eher nicht. Aber macht es das wirklich besser?
    Überspitzt gesagt: Wenn ich auf einer Demo mit ironischer Intention oder einfach nur im Suff und ohne darüber nachzudenken Nazi-Parolen gröle. Macht mein Geisteszustand es wirklich besser?

    Dass es auch psychologische Effekte gibt, da sind wir uns mittlerweile hoffentlich alle einig? Und dass das öffentliche Spielen sowie mitgrölen eines solchen Liedes oder einer solchen Parole zur Verbreitung beiträgt, muss ich denke ich auch nicht erwähnen?

    Also kommen wir mal zu deinem Beispiel mit Monty Python, was überwiegend kritischer Humor ist. Übrigens auch genau wie South Park, Satire und viele Comedy-Shows, die im ÖR laufen. In den meisten Fällen noch gepaar mit Selbst-Ironie.
    Die besagten Lieder und das "Darüber lustig machen im Sauf-Kontext" ist stattdessen verharmlosender Humor. Also genau das Gegenteil von kritischem Humor. Zugegeben, es ist vielleicht nicht immer einfach, kritischen Humor und verharmlosenden Humor auseinanderzuhalten. Daher hier mal zwei Leitsätze:
    - Bei kritischem Humor lacht man über eine problematische Handlung oder Haltung. Es macht das Problem sichtbar.
    - Bei verharmlosendem Humor soll man trotz einer problematischen Handlung oder Haltung mitlachen. Es verschleiert ein Problem und normalisiert es.

    Verharmlosender Humor wird im übrigen auch oft in diskriminierenden Milleus benutzt, was kein Zufall sein dürfte. Denn während kritischer Humor oft nach oben tritt (Monty Python: Man macht sich über Autorität lustig), tritt verharmlosender Humor oft nach untern und wertet ohnehin schon diskriminierte Gruppen weiter ab. Es ist die typische "Hab dich nicht so, ist doch nur Spaß!" Mentalität. Auch soetwas wie Mobbing würde ich hierzu zählen, um mal ein weniger humoristisches Beispiel zu geben. Das heißt natürlich nicht dass verharmlosender Humor immer schlecht ist. Denn er kann auch dazu beitragen, etwas erträglicher zu machen. Das ist hier aber definitiv nicht der Fall.
    Falls du "echte" Vertreter für die Art von Comedy suchst, die du meinst, dann ist das tatsächlich gar nicht so einfach. Ich würde sagen, soetwas wie der typische Mario Barth Humor geht noch am ehesten in die Richtung? Auch wenn selbst er mehr kann als das.
    Monty Python's Ritter der Kokosnuss dazuzuzählen wäre allerdings komplett Hanebüchen, auch wenn einige der Witze darin zugegebenermaßen nicht gut gealtert sind.

    Edit: Natürlich spielt die Gesinnung des Interpreten eine maßgebliche Rolle. Würden sie sich mit ihren Texten identifizieren, würden diese eine Botschaft tragen, faktisch also ein Ziel verfolgen, daraus resultierend kein bullshit mehr nach meiner Definition sein. Unabhängig davon ist die Debatte zwischen Kunst und Künstler ja aktueller denn je.

    Oh. Also offenbar sind wir hier doch nicht auf einer Ebene? Okay. Hast du auch eine Erklärung dafür, wie man die Gesinnung eines Interpreten gesichert festellen will? Oder seine Intention? Kann man das überhaupt? I mean, wenn seine Gesinnung dazu führen könnte, dass man seine Werke nur eingeschränkt spielen darf oder sie verboten werden, kannst du dir echt nicht vorstellen, dass er dann öffentlich einfach als Gutmensch auftritt und alles nur gut meinte? Es ist lediglich ein Ansatzpunkt, den man beim Bewerten seiner Werke im Hinterkopf behalten kann. Mehr aber auch nicht.

    Abgesehen davon, dass die Gesinnung eines Autors in so einem Kontext de facto überhaupt keine Rolle spielt, da die Leute im Bierzelt keinen Background Check machen werden. Und selbst wenn, wäre dieser ja wie gesagt nur ein Indiz, aber kein Beweis für irgendwas.

    EDIT: Grammatik korrigiert und bisschen was konkretisiert. Ziehe mich jetzt auch langsam aus dem Thema zurück.

    "We are born colorless. It's the people we meet who give us color."

    3 Mal editiert, zuletzt von Moogle (26. Mai 2026 um 14:10)